Russische Jood produceert Duitse humor,
de dubbele bodem van Wladimir Kaminer
In de zomer van 1990, negen maanden na de val van de muur, verhuisde de joodse Sovjetburger Wladimir Kaminer met zijn vrouw Olga van Moskou naar Oost-Berlijn. Hij ontving ter plaatse meteen een onbeperkte verblijfsvergunning.
De eerste vrij gekozen ministerpresident van de DDR, Lothar de Maizière, had dit voor Sovjet-Joden mogelijk gemaakt, als een soort Wiedergutmachungsgeste, omdat de DDR veertig jaar lang niets dergelijks gedaan had. Een paar maanden later, na de hereniging met West-Duitsland, werd deze regeling vlug weer afgeschaft.
Maar Kaminer mocht blijven. Hij werkte in allerlei tijdelijke baantjes en leerde Duits. Tien jaar later begon hij korte verhaaltjes en beschouwingen te publiceren waarin hij op ironische en grappige manier zijn belevenissen en ervaringen als Russische emigrant in Berlijn verwoordde.
Seit Jahren lese ich täglich in meinem russischen Lehrbuch Deutsches Deutsch zum Selberlernen aus dem Jahr 1991. Ein Trost für Geist und Körper. […] Den im Lehrbuch vorkommenden Leuten geht es saugut, sie führen ein harmonisches, glückliches Leben, das in keinem anderen Lehrbuch möglich wäre: ’Genosse Petrov ist ein Kollektivbauer. Er ist ein Komsomolze. Er hat drei Brüder und eine Schwester. Alles Komsomolzen. Genosse Petrov lernt Deutsch. Er ist fleiβig. Die Wohnung des Genossen Petrov liegt im Erdgeschoss. Die Wohnung ist groβ und hell. Genosse Petrov lernt Deutsch. Diese Arbeit ist schwer, aber interessant.’ […]
Wenn ich zu lange in dem Lehrbuch lese, kommt mir Genosse Petrov manchmal fast unglaubwürdig vor. Dann lege ich das Buch zur Seite und lese zur Abwechslung Deutsch 2 für Ausländer, ein deutsches Lehrbuch vom Herder-Institut, Leipzig 1990:
‘Der Berg Fichtelberg ist der höchste Berg der DDR. Seine Höhe beträgt 1214 Meter. Trotz Emigration, Krankheit, Not und Gefahr war Karl Marx ein glücklicher Mensch, weil er…’. Langsam versinke ich in Schlaf. Ich träume, wie Karl Marx, Genosse Petrov und ich zu früher Stunde auf dem Berg Fichtelberg stehen. Das Wetter ist gut, die Sicht ist klar. Wir unterhalten uns auf Deutsch. ’Ich habe eine sehr schöne Wohnung’, sagt Karl Marx. ’Sie ist groβ und hell. Ich bin glücklich.’
‘Ich auch’, sagt Genosse Petrov.
‘Und ich auch’, flüstere ich vor mich hin. lees verder ›








