Anna Woltz en vertaler Andrea Kluitmann hebben deze week te horen gekregen dat ze de James Krüss Preis 2026 hebben gewonnen, een Duitse prijs voor kinder- en jeugdliteratuur. De uitreiking vindt pas plaats op 2 juli. De twee winnaars mogen een bedrag van 8.000 euro verdelen.

De jury zegt:

‘Blut, Spinnen, ausbrechende Vulkane, küssende Eltern – ich mach nie die Augen zu. Ich will alles sehen.’ – So beginnt die 12-jährige Fitz den Bericht über einen einzigen kalten Wintertag, an dem ihre Familie so durchgeschüttelt wird, dass sie ‘dringend eingegipst werden muss’. Erzähleinsätze bei Anna Woltz sind kein Honigschlecken: Da gibt es Herz- und Beinbrüche, einen Krieg, der alle ohne Rücksicht auf Stand oder Bildung in den Tunnel zwingt, da legt ein Schneesturm eine Stadt lahm und ein Shitstorm bringt ein Mädchen aus dem Tritt. Anna Woltz schaut mit offenen Augen auf die gegenwärtige Lebensrealität jener, für die und über die sie erzählt.

Die 1981 in London geborene und in Den Haag aufgewachsene Autorin, die schon als Jugendliche erste Schreiberfahrungen sammelte, hat innerhalb eines guten Jahrzehnts ein beeindruckendes Werk geschaffen. Mit außergewöhnlicher Präzision, einer exzellenten Figurengestaltung und wunderbar pointierten Dialogen erzählt sie von Kindern und Jugendlichen, deren Welt aus den Fugen geraten ist. Ob sie eine Geschichte in nur 24 Stunden im Krankenhaus, in sieben Tagen Familienurlaub oder im Rahmen einer Tour de Force auf dem Fahrrad rund um das IJsselmeer entfaltet – die Erzählkoordinaten sind stets klar und klug gewählt, verdichten die Handlung und sorgen für emotionale Spannung. Bei aller Schwere der Themen bewahrt Anna Woltz eine überraschende Leichtigkeit und einen feinen Witz. Ihre Figuren stattet sie nicht nur mit Eigensinn, Mut und Zuversicht aus, sondern auch mit unverwechselbaren Erzählstimmen.

Sie wählt die sprachlichen Register je nach ihrer Figur mit Bedacht und ist dort nah am Werk des Preisgebers James Krüss. So kann es gelingen, einen herannahenden epileptischen Anfall in Wort und später in Schriftsatz zu übertragen. Auch wenn ihre Heldinnen und Helden am Ende nicht in jedem Fall auf einem weißen Pferd in den Sonnenuntergang reiten, sind sie jedenfalls mit anderen zusammen und auch zu sich gekommen. Erzählen heißt bei Anna Woltz zur Sprache bringen, was wiederum der Beginn eines jeden Heilungsprozesses ist – mit oder ohne Gips. Nicht zuletzt diese
Erzählhaltung macht die Autorin zu einer würdigen James-Krüss-Preisträgerin.

Mit Anna Woltz wird ihre Übersetzerin Andrea Kluitmann gewürdigt, die den soghaften Sprachduktus der Autorin und die unterschiedlichen Stimm- und Gefühlslagen der Figuren meisterhaft ins Deutsche überträgt. Seit mehr als zehn Jahren ist sie nicht nur eine sprachlich herausragende Brückenbauerin für Anna Woltz Werk, sondern auch freundschaftlich der Autorin eng verbundenen.

De jury bestond uit: Prof. Dr. Ute Dettmar, Institut für Jugendbuchforschung an der Goethe Universität Frankfurt/Main; Franz Lettner, Institut für Jugendliteratur Wien und Chefredakteur von 1000 & 1 Buch; Eva-Maria Magel, Frankfurter Allgemeine Zeitung en Dr. Christiane Raabe, Stiftung Internationale Jugendbibliothek, München.